Ein Unterweltbote der Organisation, in jungen Jahren ein wichtiger Gefährte des Herrn der Unterwelt, eine tief im Dunkeln verborgene, rätselhafte Gestalt.
Ganz in Schwarz, auf dem Kopf ein breitrandiger Strohhut. An Hüfte und Handgelenken schimmern metallene Bauteile hervor.
Er hat silberweißes Haar und scheint nur wenige Jahre jünger als der Herr der Unterwelt.
In der Organisation muss jedes Mitglied einen Beinamen annehmen; nur wer einander sehr nahesteht, kennt die wahren Namen, weshalb die Herkunft der Mitglieder allgemein unbekannt ist.
Unter all diesen aber ist der geheimnisvollste der Unterweltbote „der Siebte“. Er kommt und geht ohne feste Bahn, sein Weg ist ungewiss, und seit es Aufzeichnungen gibt, hüllt er den ganzen Körper in einen schwarzen Umhang und lässt nur die untere Gesichtshälfte frei; außer dem alten Herrn der Unterwelt kennt niemand sein wahres Gesicht, niemand seine Herkunft, und niemand weiß, welchen Auftrag ihm gegeben wurde.
Bekannt ist bis jetzt nur, dass er den alten Herrn in dessen Jugend kennenlernte und ein enger Freund wurde, und dass er einer der drei war, die bei der eigentlichen Gründung der Organisation zugegen waren.
In den vierzig Jahren danach hat die Organisation Rückschläge erlitten und Blütezeiten erlebt, die Zahl der Unterweltboten hat ab- und wieder zugenommen — unverändert blieb allein „der Siebte“, der stets im Schatten des alten Herrn ging.
Was hat „der Siebte“ für die Organisation getan? Das dürfte außer ihm selbst nur der alte Herr zu sagen wissen. Die übrigen in der Organisation wissen im Allgemeinen nur, dass „der Siebte“ im zwölften Jahr der Organisation, im Feldzug gegen die Bastion, als Beistand des alten Herrn hervorragende Verdienste erwarb: Als der alte Herr und der letzte Herr der Bastion aus dem Haus Mó zum Zweikampf antraten, war es „der Siebte“, der daneben Wache hielt und jeden daran hinderte, in den Zweikampf einzudringen.
In jener Schlacht erlitt die Organisation schwere Verluste, auch von den damals vier Unterweltboten fielen zwei, und „der Siebte“ wurde schwer verwundet und behielt ein Leiden, das nicht mehr ausheilte. Danach begann „der Siebte“ allmählich aus dem Blick der Organisation zu treten. In den achtzehn Jahren darauf traten nacheinander auch Inanis, Xiao Si und An Chan als neue Unterweltboten ein; der Siebte zeigte sich damals im Grunde nicht mehr vor den Menschen, und fast niemand wusste noch irgendetwas über ihn.
Im dreißigsten Jahr der Organisation wurden die Stellungen der Organisation im Südlichen Wulin vollständig ausgerissen, und die entsandten Lebenden Boten blieben verschollen; da beschloss der alte Herr, seine beiden fähigsten Ziehsohne — Soul und Zuo Shang — ins Südliche Wulin zu schicken. Um jedes Risiko auszuschließen, erlaubte der alte Herr zum ersten Mal, dass jeder der vier Unterweltboten einen eigenen Lebenden Boten mitentsandte, als Beistand für die Erkundung des Südlichen Wulin durch seine beiden Ziehsohne.
Doch insgeheim suchte der alte Herr allein den Siebten auf und schmiedete mit ihm allein eine List, die sich gegen den Unterweltboten Inanis richtete:
Der alte Herr wusste nämlich längst, dass die Herrin des Grabesbergs im Südlichen Wulin — „die Rotweißen Damen“ — in früheren Jahren eine der ersten großen Nummern im „Goldenen Jade-Pavillon“ gewesen war, den Inanis damals betrieben hatte. Sobald die Rotweißen Damen und Inanis wieder Verbindung aufnähmen, würde die Wahrheit über das Massaker im Goldenen Jade-Pavillon jener Jahre wahrscheinlich ans Licht kommen, und Inanis würde sehr wahrscheinlich aus der Organisation ausbrechen.
Dafür ersann der alte Herr „eine List in der List“. Er verkleidete den Lebenden Boten unter dem Siebten — Haishi — als seinen persönlichen Lebenden Boten und schickte ihn in der Rolle des Anführers ins Südliche Wulin. Zugleich ließ er absichtlich einen gefälschten Brief kursieren, dessen Inhalt ungefähr lautete: Der Siebte bedürfe wegen allzu schwerer Wunden dringend einer Heilung und brauche das Auge von Xuanyu, um ein Heilverfahren zu finden; deshalb habe Haishi, im Sinne des Herrn und gemeinsam mit dem Siebten, Xuanyu ins Südliche Wulin gelockt, damit er durch die Hand von Mirage umkomme.
Die Leute, die diesen Brief abfingen, würden Haishi gewiss in Gewahrsam nehmen; und dann könne Haishi, indem er absichtlich den Lebenden Boten „Yuzhu“ aus dem Gefolge von Inanis daran hindere, „die Rotweißen Damen“ zu töten, bei Yuzhu gerade dadurch die Überzeugung verstärken, „die Rotweißen Damen seien Verräterinnen“, und so „die Rotweißen Damen“ am Ende vollends zu Tode bringen und Yuzhu erpressen, Inanis die falsche Wahrheit zu sagen.
Kurze Zeit später erhielten beide die Nachricht, der Plan sei tatsächlich so aufgegangen, wie der alte Herr es vorausgesehen hatte — die Rotweißen Damen wurden beide hingerichtet, und auch Yuzhu gab nach, als man sie in der Hand hatte.
Im vierzigsten Jahr der Organisation kam die Nachricht, der alte Herr sei umgebracht worden.
„Du hast mir nach jenem Tag einen Sarg vorbereitet, und heute dient dieser Sarg dir selbst. Wer hätte das gedacht — am Ende bist du vor mir gegangen.“
Das weiße Haar unter dem Umhang war von Tränen durchnässt, und in der Luft lag die Trauer um das Vergangene.
„Willst du dich mit Herrn Zuo und den anderen Unterweltboten messen?“
Der Diener, der ihm allein noch geblieben war, fragte es leise.
„Nicht streiten, nicht streiten. Sein Erbe — wem er es hinterlassen will, soll es bekommen.“
Der Siebte erhob sich zögernd vom Stuhl; er war alt geworden, und ein alter Mensch ist von einem toten nicht verschieden.
Nur sein Herz war nicht alt und nicht tot; so wollte er das Versprechen halten, das er einst gegeben hatte, und für seinen alten Freund jenen Menschen beschützen.
Er ist jetzt keine Spielfigur mehr, er ist er selbst; er will zu Ende bringen, was zuletzt zu tun ist.